17.05. 20Uhr Vortrag: „Aufstand der rechten Wutbürger“

Seit den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt ist mit der Alternative für Deutschland (AfD) eine offen rechtspopulistische Partei in drei Landtagen vertreten. Sie erzielte dabei zwischen 12% und 24% und wurde mit letzterem Ergebnis zweitstärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. Dies kommt nicht überraschend, sondern als Resultat einer Reihe von Entwicklungen.
In Stuttgart finden bei der sogenannten Demo für Alle gewöhnliche Homophobe, fundamentalistische Christen jeder Konfession und Identitäre zusammen, um sich öffentlich zu ihrem Hass auf Homosexuelle und andere, die sich nicht ihrer archaischen, restriktiven und reaktionären Sexualmoral fügen wollen, zu bekennen.
Mit Pegida und den Nachahmern in verschiedenen Städten fand ab Oktober 2014 eine Massenmobilisierung statt, die es schaffte über mehr als ein Jahr hinweg einige Tausend Menschen auf den Straßen zu versammeln, um einem xenophoben Ressentiment Ausdruck zu verleihen.
Woche für Woche werden überall in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte angezündet, den Tod geschundener Menschen billigend in Kauf nehmend, wenn nicht gar explizit anstrebend. Dorfgemeinschaften versammeln sich, um den Geflüchteten geschlossen ihren Hass vorzuführen und sie in neue Angst zu versetzen.
Die AfD konnte sich als vermeintliche Alternative zu den etablierten Parteien positionieren, um so dem mobilisierten Ressentiment eine organisierte Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Alle Versuche der Parteien ihre wild gewordene Gefolgschaft durch Äußerungen wieder einzufangen, die die AfD rechts überholten, scheiterten nicht nur, sondern beförderten das Ziel derselben, den politischen Diskurs grundlegend nach rechts zu verschieben.
Obwohl sich im rassistischen Mob auch bekennende Neonazis befinden, könnten diese von sich aus bei weitem nicht solch große Menschenmengen mobilisieren. Gewohnte antifaschistische Erklärungsmuster und Handlungsoptionen, die von geduldeten aber dennoch marginalisierten Neonazis ausgingen, scheinen angesichts dieser neuen Qualität keine vernünftige Anwendung mehr zu finden. Erleben wir, wie mancherorts zu hören war, eine Wiederholung der 1930er Jahre oder doch nur eine Angleichung der politischen Landschaft Deutschlands an die seiner Nachbarn? Kippt die Stimmung in der Mehrheitsgesellschaft und führt so zu einem Extremismus der Mitte?
Der Hintergrund des Referenten ist die soziale sowie die Bildungsarbeit. Er wird einen Vortrag halten, der den Einstieg in den Themenkomplex Rechtspopulismus ermöglicht, und somit die Diskussion um ein Thema einleiten kann, das aus antifaschistischer Sicht für die gesellschaftliche Entwicklung und die Perspektiven einer emanzipatorischen Alternative von höchster Bedeutung sein wird.